Es gibt verschieden Formen des Rollenspiels. Seien es kindliche Rollenspiele wie Vater-Mutter-Kind oder die ständig wechselnden Rollen die wir im Alltag annehmen, in Beruf, Familie oder Freizeit, Formen von Pen-&-Paper-Rollenspielen, Computer- und Onlinerollenspiele. Eine weitere Form des Rollenspiels ist das Live-Rollenspiel, das vor allem unter dem Begriff LARP (Live Action Role Playing) bekannt ist. Live-Rollenspiel wird seit über 20 Jahren in Deutschland betrieben. Im Live-Rollenspiel geht es darum, gemeinsam mit anderen Teilnehmern interaktiv eine Abenteuergeschichte zu bestehen und durch eigene Handlungen deren Ablauf und Ausgang mitzugestalten. Das Spiel wird jedoch nicht nur kognitiv am Bildschirm oder Spieltisch erfahren, sondern körperlich erlebt wird. Eine gern verwendete, vereinfachte Beschreibung des Live-Rollenspiels lässt sich fassen als: „Wir spielen ‚Der Herr der Ringe‘ nach.“

Vom Live-Rollenspiel, das sich häufig an Settings der Fantasy-Literatur orientiert, lässt sich das Reenactment unterscheiden, das streng historischen Settings folgt. Im Live-Rollenspiel werden in der Regel keine historischen Ereignisse nachgestellt, jedoch hat sich eine Form des Live-Rollenspiels unter dem Begriff Reenlarpment entwickelt, die einen historischen Spielhintergrund vorgibt. Charaktere und Gewandungen sollen zeitlich und regional in den historischen Rahmen passen, jedoch keine historischen Ereignisse nachstellen, sondern sich in diesem Setting frei bewegen. Darüber hinaus gibt es eine Spielszene, die sich als Histo-Larper beschreibt und einen pseudohistorischen oder historischen Spielhintergrund – im Sinne eines historisch-fiktiven Live-Rollenspiels – verfolgt, der einen etwas breiteren Spielrahmen vorgibt als das Reenlarpment. Das historisch-fiktive Live-Rollenspiel und Reenlarpment legt sehr viel Wert auf Authentizität der Gewandungen und bewegt sich auf einem Darstellungsniveau das sehr viele – populäre – Mittelaltermärkte übertrifft. Ein Beispiel hierfür ist das Pilgerlager, dessen Ziel es ist, eine an das reale Mittelalter angelehnte Stadt zu bespielen, eines von vielen Themenlagern auf der Veranstaltung Epic Empires.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Live-Rollenspiel zu betrachten und zu definieren. Live-Rollenspiel kann in erster Linie als eine Form des Laienschauspiels oder Improvisationstheaters begriffen werden, im Gegensatz zu diesen sind Zuschauer – wie bspw. auf Mittelaltermärkten – beim Live-Rollenspiel jedoch unüblich. Live-Rollenspiel lässt sich allgemein als eine Form verschiedener Künste begreifen. Neben dem Schauspiel und dem schriftstellerischen Konstruieren von Hintergrundgeschichten ist es vor allem die Kunstfertigkeit beim Erstellen der Kostüme, bei dem u.a. das Plattner-, Schneider- und Lederhandwerk Anerkennung finden. Daneben findet sich im Kulissenbau das Tischler- und Malerhandwerk wieder. Somit werden Live-Rollenspieler im Kleinen zu Kostüm-, Bühnen- und Szenenbildnern. Auch die Maskenbildnerei kommt bei der Darstellung von Verwundungen und fantastischen Wesen zu ihrer Geltung. Aber auch Kampf, Tanz und Musik werden im Live-Rollenspiel verkörpert. Das Live-Rollenspiel lässt sich in seiner Gesamtheit als eine Form der darstellenden Kunst sehen. Im Sinne der Darstellung von Kämpfen im Live-Rollenspiel kann es auch als Sport oder Wettkampf begriffen werden – wobei gerade im Live-Rollenspiel die Grundsätze der Fairness, das Einhalten der Regeln und das Behandeln des Partners mit Respekt eine überaus wichtige Rolle spielen. Darüber hinaus gilt, dass die Form einer schönen Darstellung dem bloßen Wettkampf stets vorzuziehen ist, da so die gegenseitige Anerkennung der Mitspieler auf einer wesentlich breiteren Basis steht. Live-Rollenspiel enthält auch pädagogische Elemente. So werden in ungewöhnlichen und unerwarteten Situationen die Teilnehmer vor neue Herausforderungen gestellt, die die Kommunikations- und Teamfähigkeit als auch das Entwickeln kreativer Lösungen fördern. Durch Rollenspiele werden Selbst- und Fremdbeobachtungsfähigkeiten geschult. Darüber hinaus ist Live-Rollenspiel ein Gruppenerlebnis, bei dem der Respekt voreinander und der Umgang miteinander von entscheidender Bedeutung sind.

Das Hobby Live-Rollenspiel als Freizeitbeschäftigung zeichnet sich insbesondere durch seine Inklusivität aus. Grundsätzlich ist es möglich, ohne großen Aufwand in das Hobby einzusteigen. Viele Informationen, die dabei helfen sich im Hobby zurechtzufinden, sind im Internet verfügbar. Es gibt verschiedene Plattformen und Communities, in denen sich zum Thema LARP ausgetauscht wird. Unter anderem die Internetseiten: larpwiki.de, larpkalender.de und larper.ning.com. Darüber hinaus bietet das Live-Rollenspiel-Magazin LARPzeit viele Tipps und Tricks rund um das Thema, hier werden Rollenspielkonzepte, Bastelprojekte, Veranstaltungen, aber auch Live-Rollenspieler und Live-Rollenspielgruppen vorstellt. Des Weiteren gibt es seit 2006 den MittelPunkt, eine jährliche Live-Rollenspiel-Tagung um Ideen, Konzepten und Erfahrungen in Hinblick auf Live-Rollenspiel-Veranstaltungen auszutauschen. Zu dieser LARP-Konferenz erscheinen auch Aufsatzsammlung die sich mit dem Thema der Tagung befassen.

Live-Rollenspiel als Hobby ist grundsätzlich für alle geeignet, die Freude an Schauspiel, Kostümen und fiktionaler als auch wissenschaftlicher Literatur haben und schon immer einmal in einen eigenen Film eintreten wollten. Darüber hinaus ist Kreativität, handwerkliches Geschick und die Neugier sich auszuprobieren von entscheidendem Vorteil. In jedem Fall ist Live-Rollenspiel aber ein Gemeinschaftsspiel, bei dem der Spielspaß im Vordergrund stehen soll.