666 Jahre sind nunmehr vergangen, seit König Karel der Große im Jahr 0 von Pentarch Lio III. in Ramur zum Kaiser Marturiens gekrönt wurde. Wir schreiben also das Jahr 666 nach der Zeit der Kaiser. Kaiser Fridurick III. aus dem Hause Habichsberg, Herzog von Stiersburg, Steinen und Carn, Erzherzog von Ostmark und martischer König, regiert seit 26 Jahren im Martenland und wurde vor 14 Jahren von Pentarch Nikelaos V. zum Kaiser von Marturien gekrönt.

Mein Name ist Hans Horatio Helmholtz, seit fünf Jahren befinde ich mich nun als Kanzler und Buchdrucker im Dienst des Baron Grimbold von Eisenspitz. Im Jahr 658 trat ich bereits als Skriptor in die Dienste des Rí of Wathermeadow und wurde Vizekanzler. Nun leite ich die Druckerei und genieße das Knarren des Holzes der Druckpresse und den Duft der Tinte, wie sie auf dem geschöpften Papier trocknet. Eine kleine Papiermühle, die wegen des Gestanks und Lärms außerhalb der Stadtmauern liegt, untersteht ebenfalls meiner Leitung. So verbringe ich meine Zeit mit dem Druck und Verlag theologischer und philosophischer Schriften, aber auch verschiedener Chroniken. So will ich euch an dieser Stelle von einigen Neuigkeiten aus Marturien und nachfolgend einiges über die Geschichte des Kaiserreichs, den Glauben und das Aufblühen der Städte berichten.

Es ist endlich wieder Sommer und an den strengen Winter des vergangenen Jahres, in dem sogar die Klarwasserseen komplett zugefroren waren, mag sich niemand mehr erinnern. Auch die schwere Seuche der Pestilenz, die vor mehr als einhundert Jahren in Marturien wütete, nimmt wieder weniger Raum in den Erzählungen und Geschichten ein, auch wenn die Seuche hier und da immer wieder ausbricht. Das Korn reift auf den Feldern und es schnappen die Hechte in den Strömen und Flüssen. Die Brauerei Bergesgrüner erhält vom Titularerzherzog Winmund von Ostmark das beurkundete Wirtsrecht zum Backen, Sieden und Metzlereien. Die Städte wachsen und die Bürger gehen emsig ihrem Handwerk nach. In Zwingburg nimmt die durch den Pentarchen Paol II. gegründete Universität ihren Betrieb auf. Im Jahre 640 hatte Jonnis Gansflesch in Martburg den Buchdruck mit beweglichen Letter erfunden und im Jahr 655 den Kanon – das Buch der Glaubenslehre – in ramurischer Sprache gedruckt. In Straßenburg wurde dieses Jahr von Jonnis Manteler der erste gedruckte Kanon in martischer Sprache herausgegeben. Ein Unterfangen, dem sich die Druckerei in Eisenspitz ebenfalls annehmen wird.

Im Reich ist es weitestgehend friedlich – wenn man von den üblichen Fehden der geistlichen und weltlichen Herrscher des Landes absieht.

In Martland billigt Kaiser Fridurick III. den Frieden von Spaltheim, in dem die Martburger Stiftsfehde beigelegt wurde.

Die Stadt Mühlenhausen schließt auf 25 Jahre ein Schutzbündnis mit der Silberbirgstättischen Eidgenossenschaft.

Der Herzog von Silberstadt Gill Rüsteisen verstarb im Frühjahr; ihm folgte sein Sohn Kandidus Rüsteisen als Herzog von Silberstadt auf den Thron.

Im Osten Marturiens finden in Toren, unter Vermittlung des Legaten des Pentarchen Ruodwolf von Barschheim, intensive Verhandlungen um den beendeten Erdländischen Städtekrieg statt, der 654 begonnenen wurde. Der König von Ormond Kosmir IV. fordert weitläufige Gebietsabtretungen vom Hochmeister des Marturischen Ordens Lutwich von Sattelshausen. Der Orden musste bereits 610 im ersten Frieden von Toren Gebiete abtreten und erhebliche Zahlungen leisten. Der Pentarch Paol II. weist bereits jetzt, trotz seiner geschwächten Position, diese Forderungen zurück. Diese erneute Niederlage des Marturischen Ordens im Erdland wird meiner Ansicht nach die Position des Ordens nachhaltig schwächen und die Macht und den Einfluss des Ordens auf die Geschicke des Reichs dauerhaft beschneiden.

Auf Burg Grasberg in Estaroth entstand auf Initiative von Zeno von Fünfspitz die „Grasberger Allianz“ gegen König Jorges von Estaroth. Jorges wurde der Irrlehre bezichtigt, da er sich von der Penklesie lossagen wollte. Die Allianz wird durch den Pentarchen unterstützt, der den König zum Irrlehrigen erklärte und vor das Tribunal der Ermittlerschaft vorgeladen hat. Die Allianz versucht bislang erfolglos, König Kosmir IV. von Ormond für die Estarother Königskrone zu gewinnen. Es ist eine interessante Frage, wie sich die Position des Königs von Ormond bezüglich des Konfliktes im Erdland ändern würde, falls dieser zu einem marturischen Kurfürst ernannt würde.

Im Jahr 665 hat Herzog Phillick III. von Burgen, die Regierung an seinen Sohn Karel den Tapferen übergeben. Das Haus Burgen-Ihstal hat Besitzungen sowohl im Marturischen Kaiserreich als auch im Königreich Kanden. Herzog Karel führt ein Bündnis kandischer Adeliger unter dem Namen „Liga des Gemeinwohls“ gegen König Lutwich XI. von Kanden. Die Liga wirft dem König eine unordentliche und jämmerliche Regierung vor und will dessen Bruder Karel von Ihstal auf den Thron setzen. In einem Manifest wurde der König zum Abdanken aufgerufen. Dieser verkündete ein Gegenmanifest und rief den Herzog von Silberstadt zur Hilfe. So sind nun offene Feindseligkeiten ausgebrochen und die Armeen marschieren durch Kanden. Herzog Karel führt seine Truppen gegen Wettsich, die Residenz Königs Lutwichs. Der Herzog von Burgen ist keiner der Kurfürsten, aber Gefolgsmann des Marten-Königs und des Königs von Kanden.

Die Streitigkeiten in Hatten zwischen den Brüdern Landgraf Odo II. und Landgraf Lutwich II. um den Grenzverlauf der Grafschaften Niederhatten mit Sitz in Niederbau und Oberhatten mit Sitz in Marthildshöh ruhen im Augenblick. Lutwich I. Landgraf von Hatten verstarb 658 ohne verbindliche Erbfolgeregelung, wies seine Söhne jedoch an ihr Erbe brüderlich zu teilen. Die Brüder einigten sich 660 über die Territorien, die Details der genauen Grenzziehung und verschiedener Hoheitsrechte wurden jedoch erste 664 abschließend geklärt.